Jessica Clarisse, Produkt Manager Tauchen, fliegt zum ersten Mal nach Papua Neuguinea und lässt uns an ihrer Reise teilhaben. Sie wird regelmässig von unterwegs berichten und ihre Erlebnisse in der exotischen Ferne hier festhalten. Wir sind gespannt…

Parat für die Reise…

tau-papua-reise-flughafenEndlich ist es soweit! Papua Neuginea (PNG) ist schon lange auf meiner Wunschliste und ich darf mich endlich auf die grosse Reise begeben. Ich kann mich nicht erinnern, wann bzw. ob ich mich jemals so sehr auf einen Trip gefreut habe!

Meine Freunde und Bürogspändli werden das sicherlich unterschreiben, denn sie haben den Countdown eifrig mit mir mitgezählt. Nun gehts aber erst mal nach Sinagpur und ich freue mich mit dem A380 von Singapore Airlines zu fliegen und zum ersten Mal auch im Upper Deck.

Lange Anreise

Es ist 06.30 Uhr und nach 12 Flugstunden und einer kleinen Flugverspätung bin ich endlich in Singapore gelandet. Schlafen auf dem Weg nach Asien fällt mir oftmals schwer, ich rechne zurück und es ist nun 00.30 Uhr in der Schweiz. Das erklärt auch wieso ich jetzt wirklich müde bin.

Wir sind 3 Agenten aus Europa, welche der Einladung von PNG Tourism gefolgt sind und meine Kollegen werden erst um 17.00 Uhr in Singapur landen. Ich bin somit froh, dass ein Flughafen-Hotel für mich organisiert wurde und ich mich erstmal hinlegen kann. Der Weiterflug nach Port Moresby ist um 20.30 Uhr.

Angekommen!

tau-papua-reise-flughafen-boramPNG, here we are!

Nach weiteren 6.5 Flugstunden nach Port Moresby, einem Aufenthalt von 9 Stunden in Moresby mit Sightseeing und Mittagessen, einem weiteren Flug von 1,5 Stunden bin ich endlich, endlich in Wewak angekommen!

tau-papua-reise-jessi-papua1Wewak ist der Ausgangs-punkt für Touren ins Sepik Gebiet. Der 1126km lange Fluss ist der längste Asiens und umgeben von Sumpfgebieten, Mangroven, Dschungel. Über 500’000 Menschen leben in dieser abgelegenen Region und ihre Dörfer sind nur über’s Wasser zugänglich. Wir werden 2 Tage hier verbringen und ich freue mich riesig auf den morgigen Tag!

Erste Begegnungen mit den „Nationals“ und die langersehnte Flussfahrt

tau-papua-reise-locals1Die rund 4-stündige Autofahrt führt uns ins Landesinnere nach Pagwi, vorbei an kleinen Dörfern und Märkten. Immer wieder winken uns strahlende Gesichter von Jung bis Alt zu. Kinder rennen unserem Bus hinterher und immer wieder hören wir „white men, white men“ rufen.

Wir halten an einem kleinen Strassenmarkt und decken uns mit Früchten und Gemüse für die nächsten Tage ein. Unsere kleine Gruppe ist die Attraktion überhaupt. Ich wollte unbedingt meine Eindrücke auch bildlich festhalten, aber traute mich nicht so recht die Kamera auszupacken. Schliesslich sind wir hier nicht im Zoo, dachte ich mir. Philipp, unser Guide, ermutigte mich und meinte, die Nationals (so nennen sich die Einheimischen selber) freuen sich darüber. Also schiesse ich ein paar Bilder, zeige sie den Kindern und sie kichern alle, als sie sich selber auf dem Display erkennen.

tau-papua-reise-landschaft1Zurück im Bus zieht wieder die grüne Landschaft an unserem Fenster vorbei. Dieses saftige grün, diese unendliche Weite, die holprigen Strassen und immer wieder das freundliche Lächeln und die Kinderstimmen… Ein tiefer Atemzug und mein Herz erfüllt sich mit Freude. Das ist Reisen, meine grosse Leidenschaft!

In Pagwi angekommen, steigen wir um auf unser motorisiertes Kanu. Ich bin zuerst etwas enttäuscht, als ich Stühle darin sehe, es sollte doch so ursprünglich wie nur möglich sein. Doch sie haben ihren Zweck mehr als erfüllt und ich weiss die bequemere Sitzvariante definitiv zu schätzen. Es geht los, die langersehnte Flussfahrt auf dem mystischen Sepik River…

Ab auf den Fluss

tau-papua-reise-fluss2Zwei Kanus stehen für unsere Gruppe und unsere Guides zur Verfügung. Wir haben Glück und müssen nicht rudern, sondern sie werden mit einem Motor betrieben. Ambunti ist unser Tagesziel, insgesamt 4 Stunden entfernt. Ich hab das Gefühl in einere andere Welt einzutauchen… Auf Stelzen erbaute Häuser stehen am Wasserufer, Menschen baden am Fluss, waschen ihre Kleider, Männer arbeiten an ihren Kanus.

Wir halten und Philipp erklärt uns, dass wir die Erlaubnis haben ein Dorf zu besuchen. Dieses liegt einen knapp 20-minütigen Fussmarsch vom Uferrand entfernt. Wir machen uns auf den Weg und ziehen an wunderschönen Gärten und Plantagen vorbei. Aus der Ferne erblicken wir dann die Hütten. Wir werden empfangen und dürfen mit der Erlaubnis vom Chief (Häuptling) eintreten.

tau-papua-reise-locals2tau-papua-reise-locals3Die Nationals scheinen genauso neugierig auf uns zu sein wie wir auf sie und ihr Leben… Sie versammeln sich auf einem kleinen Hügel in der Nähe des Hauses Tambaran (Spirit House) beobachten uns aus der Ferne. Philipp erklärt uns die Bedeutung des heiligen Hauses, welches nur für Männer und Touristen zugänglich ist. Darin werden wertvolle Schnitzereien aufbewahrt und Rituale durchgeführt. Wir treten ein und Männern spielen auf Trommeln – sie scheinen in Trance zu sein. Fantastische Gravuren zieren die muskulösen Rücken, angelehnt an die heiligen Krokodile des Sepiks – ich bin fasziniert!

tau-papua-reise-kunstIn der Dämmerung erreichen wir Ambunti und bleiben vom Gewitter grad noch verschont. Eine mystische Stimmung, welche uns hier Abends umgibt, ich möchte es nicht missen. Die Unterkunft ist für westliche Verhältnisse wohl sehr spartanisch ausgestattet, dennoch mit einem Bett, Dusche/WC. Wir haben fliessendes Wasser und erhalten Strom über den Generator. Ich schätze, dass wohl 99.9% der Bewohner des Sepiks die heutige Nacht nicht so komfortabel verbringen werden…

Von Birds of Paradise & Seeadler

tau-papua-reise-vogelUnser heutiger Wake Up call ist bereits um 04.30 Uhr. Wir wollen ein kleines Dschungel- Trekking machen, um die endemischen „Bird of Paradise“ Vögel aufzuspüren. Nach einem Tee und einer Banane setzen wir uns im Dunkeln ins Kanu und fahren los. Ausser der Motoren ist nichts zu hören, bloss das Licht der Taschenlampe zeigt uns den Weg. Da der Himmel leider völlig von Nebel bedeckt ist, fällt der spektakuläre Sonnenaufgang ins Wasser.

tau-papua-reise-vogel3Nach 1.5 Stunden im Kanu haben wir unser Ziel erreicht. Wir legen an und mittlerweile ist es auch schon hell geworden. Rund 30 Minuten wandern wir durch den dicken Dschungel und lauschen dem Vogelgezwitscher. Es ist noch nicht mal 07.00 Uhr doch die Luft ist bereits warm und feucht. Wegen den vielen Mücken tragen wir alle lange Hosen und lange Shirts.

Philipp gibt uns ein Zeichen, dass wir ruhig sein und nicht mehr sprechen sollen. Wir blicken in die wohl 30 Meter hohen Bäume, sehen tun wir zu Beginn nichts. Unsere Guides bewegen sich ganz langsam und leise zwischen den Büschen umher. Sie suchen für uns den perfekten Spot, von welchem wir die Vögel erblicken können. Und endlich erhasche ich die orangenen Federn. Vom blossen Auge ist es mir kaum möglich den Vogel zu erkennen, doch später auf meiner Kamera kann ich ihn dann begutachten und bestaunen. Für Ornithologen und Vogelfans ist dies sicherlich ein Highlight denke ich mir, mir hat vor allem die Wanderung Spass gemacht.

tau-papua-reise-vogel2Wir machen uns wieder auf den Rückweg nach Ambunti und während wir im Kanu sitzen, begegnen uns zig Seeadler. Es ist das erste Mal, dass ich so viele Adler auf einmal sehe. Einmal mehr eine mystische Stimmung auf dem einzigartigen Sepik, was zum Träumen und Philosophieren anregt. Nach einem ausgewogenen Frühstück in der Lodge gehts zurück nach Pagwi, von wo wir in den Bus umsteigen und in Richtung Wewak aufbrechen.

„Singsing“

tau-papua-reise-locals4Unterwegs halten wir erneut in einem Dorf. Wir werden bereits erwartet und es wird ein kleines „Singsing“ für uns gehalten. Singsings sind traditionelle Shows, welche Dörfer/Stämme durchführen. Es gibt jährlich zwei grosse Singsing Festivals in Goroka und Mount Hagen, wo sich die verschiedenen Stämme des Landes treffen und dies ehrenvoll zur Show stellen.

tau-papua-reise-locals5Ich erkundige mich beim Dorfführer, ob denn diese Singsing nur noch für Touristen durchgeführt werden, doch er schüttelt vehement den Kopf. Die Singsing führen sie zwei mal jährlich in ihrem eigenen Dorf durch und zwar dann, wenn ausgewählte Buben zu Männer erkoren werden und bei Hochzeiten. Es scheint, als dass sich das ganze Dorf vor dem Haus Tamburan versammelt hat und wir sind wohl von Hunderten von Menschen „umzingelt“.

tau-papua-reise-locals6Der Chief eröffnet die Zeremonie mit einem urchigen Geschrei, die Trommeln werden gespielt und maskierte Menschen bewegen sich rhythmisch auf dem Dorfplatz. Anschliessend werden wir ins Haus Tamburan geführt. Weitere Trommelspieler sind bereits dort und wir suchen uns einen Platz, wo wir dem Treiben zuhören und zusehen können. Und da wird es mir auch etwas mulmig und bewusst – ich bin in einer völlig anderen Welt angekommen!

Flughafentreiben und Wallabies

tau-papua-reise-flughafen-wewakBereits um 05.00 Uhr morgens sitzen wir im Minibus und fahren zum Flughafen Wewak. Nach einem reibungslosen Check-In setzen wir uns zwischen die Nationals und schauen dem Treiben zu. Familienmitglieder werden verabschiedet, Small Talk mit dem Security Mitarbeiter geführt, Gepäck aufgegeben, Kinder springen umher… Ich komme ins Gespräch mit meiner Sitznachbarin und Joelle fragt mich, woher ich denn komme. Als ich ihr sage, aus der Schweiz, schaut sie mich mit grossen Augen an. Ich erkläre ihr, dass meine Anreise in den Sepik 2 Tage gedauert hatte. Sie nickt und fragt, wie wir die Zeit im Sepik verbracht haben und ob es mir gefallen hat. Ich bejahe und erzähle ihr von unseren Besuchen und Kanufahrten. Joelle lächelt zufrieden. Das Gate öffnet fürs Boarding und meine Sitznachbarin nimmt meine Hand. „Thank you for visiting our country and thank you for staying here in the Sepik region“. Ich bin gerührt, bedanke mich ebenfalls für ihre lieben Worte und wir steigen ins Flugzeug. In Port Moresby angelangt winken wir uns einander nochmals zu bevor sich unsere Wege trennen…

tau-papua-reise-wallabyUnseren mehrstündigen Aufenthalt in Port Moresby verkürzen wir mit einem Besuch im Loloata Island Resort. Zum Tauchen reicht es leider nicht, da wir am späteren Nachmittag bereits wieder in Flieger steigen. Somit gönne ich mir einen kleinen Inselspaziergang und bin mehr als verblüfft, als ein Wallaby (kleines Kangaroo) an mir vorbeihüpft.  Mir wird erklärt, dass diese hier heimisch sind.

tau-papua-reise-jessi-inselIch steige auf den „Hausberg“ mit fantastischem 360° Rundblick und verinnerliche die malerische Landschaft. Einmal mehr fehlt der blaue Himmel für das ideale Erinnerungsfoto, doch was ist schon perfekt. Ich kann kaum glauben das wir nur 40 Minuten von PNG’s Hauptstadt entfernt sind denn es scheint, wir haben ein weiteres Mal das Ende der Welt erreicht.

Um 15.00 Uhr geht unser Flug weiter nach Hoskins, Zielflughafen auf der Insel New Britain. Der westliche Teil der Insel ist bekannt für die vielen Palmölplantagen und so ziehen während dem 50-minütigen Transfer wohl tausende Palmen an uns vorbei. Meine Erwartungen an die nächsten 2 Tage steigen erneut, denn hier darf ich endlich den Kopf unter Wasser stecken und die Unterwasserwelt erkunden. Walindi Plantation ResortWir steigen aus dem Minibus und werden herzlich von den Mitarbeitern des Walindi Plantation Resort empfangen. Es ist eines der Resorts wo man vom ersten Moment an spürt, dass hier mehrheitlich alles richtig funktioniert, dass ein routinierter Ablauf besteht und viel Herzblut dahinter steckt. Das bestätigt dann auch das Gespräch beim Abendessen mit Max, dem Gründer und Besitzer des Bijous.

Müde, zufrieden und voll mit neuen Eindrücken falle ich ins Bett und freue mich auf den morgigen Tauchtag!

Faszination Unterwasserwelt

 tau-papua-reise-tauchen1Nach dem Frühstück gehts endlich los! Jerry wartet bereits auf dem Steg mit der Leihausrüstung. Anzug, Lungenautomat, Jacket, Flossen – alles passt, es kann losgehen! Wir sind nur zu 5. plus Guides auf dem Boot. Die Vorfreude steigt – und nach rund 45 Minuten erreichen wir den ersten Tauchplatz „Inglis Shoal“.

Beim Abtauchen kontrolliere ich meinen Computer, blicke wieder auf und starre in die Augen eines kleinen Schwarzspitzenriffhais. Eigentlich bin ich überhaupt noch nicht ready für diese Begegnung, doch ich juble innerlich und sinke tiefer. Während ich meine Ausrüstung am Riff nochmals kontrolliere, kommt aus der Ferne wohl die Mutter des Riffbabys, ich schätze sie auf rund 3 Meter. Majestätisch zieht der Riffhai einen Meter an mir vorbei – was für ein wunderschönes Tier! Nach einer 360 Grad Drehung bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass wir die allerersten Taucher an diesem Riff sind. Die Unterwasserwelt wirkt absolut unberührt, die Tiere sind neugierig und ich fasziniert!

tau-papua-reise-tauchen2Der zweite Tauchgang am „Katherine’s Reef“ führt zuerst an einer riesigen Gorgonien vorbei, wo wir auch ein Pigmy Seepferd finden. Nachdem wir durch eine kleine Schlucht getaucht sind, sinken rechts und links senkrechte Steilwände in die Tiefe, welche mit Weichkorallen in allen Farben und Variationen bewachsen sind. „Ein Feuerwerk“ geht mir spontan durch den Kopf und ich verinnerliche das im Sonnenlicht stehende Riff.

tau-papua-reise-tauchen3Die Oberflächen-pause machen wir in einer geschützten Bucht, werden mit einem leckeren Mittagessen verwöhnt und können vom Boot aus weitere Riffhaie beobachten. Beim dritten Tauchgang „Restorf“ hat uns der Guide Gobies und Manti Shrimps versprochen. Wir haben sie alle gefunden, auch den „Walkmen-Fish“ (Skorpionfisch der nicht schwimmt sondern geht) und einen Octopus.

Glücklich aber auch etwas traurig, dass bei der Reise nicht mehr Tauchgänge möglich sind, erreichen wir das Walindi Plantation Resort.

Geburtstag und Reise-Fazit

tau-papua-reise-gebtagKurz nach 06.00 Uhr werde ich von den Sonnenstrahlen geweckt. „Ein Zeichen“ denke ich mir und ich hüpf aus dem Bett, um mir den Sonnenaufgang in aller Stille anzuschauen. Etwas später beim Frühstück wartet bereits eine kleine Überraschung auf mich: „Schoggi-Chueche“ – zum Frühstück notabene! Scheint, als dass ich es nicht geschafft habe meinen Geburtstag geheim zu halten und ich freue mich über die Geste unserer Gastgeber.

tau-papua-reise-spaDa wir am Nachmittag zurück nach Port Moresby fliegen und uns alle zur „Lukim PNG Nau“ Messe treffen werden, haben wir noch etwas Zeit für einen kleinen Ausflug. Joseph, der Resort Guide, hat uns gestern vom „Hot River“ erzählt und will uns dahin bringen. Der Weg führt an den Palmölplantagen vorbei, über holprige Strassen und kleinen Dörfern. Ich dachte, dass wir in lauwarmen Wasser baden werden, doch als ich den Zeh reinstrecke bin ich erstaunt über die Wassertemperaturen! Nach den letzten Tagen in der Wildnis fühlt es sich wie ein kleines Spa-Treatment an.

In Port Moresby erwartet uns ein ruhiges Stadtleben und wir treffen auf Kollegen aus den USA, Australien, UK und Japan. Ich habe in den nächsten Tagen Zeit verschiedene Kontakte zu knüpfen, Ideen zu sammeln und ich freue mich, mit einer geballter Ladung an Informationen zurück zu reisen und die Umsetzung in Angriff zu nehmen.

tau-papua-reise-portmoresbyEs waren lange Tage, welche ich hier in PNG erleben durfte, viele Eindrücke welche sortiert und auch verarbeitet werden müssen. Ein gefülltes Herz mit freudigen Erinnerungen und Erlebnissen, neue Freundschaften, welche ich knüpfen durfte. PNG in einem Satz wiederzugeben? Das ist mir unmöglich, doch was ich mit Überzeugung sagen kann: Es hat mich bisher noch kein Land so tief berührt und ich bin unglaublich dankbar, dass mir dieser Reise- und der langersehnte Tauchtraum erfüllt wurde.

Ein herzliches Dankeschön an PNG Tourism und mein tolles Reiseteam „Europe“.