Immer wenn ich auf den Malediven ankomme, packe ich zuerst meine Schnorchelsachen aus dem Gepäck und erkunde als erstes das Hausriff – denn der Erholungseffekt stellt sich bei mir im und unter Wasser am schnellsten ein. Der Sprung ins Meer war also bereits vor Ankunft auf Huvafen Fushi für mich und meine Kollegin Jasmin beschlossene Sache. Dass sich die Riffe in den letzten Jahren verändert haben, fällt mir auch dieses Mal wieder auf. Sie wirken bleicher als noch vor ein paar Jahren und leider gibt es auch viele tote Korallen. Die Fischvielfalt ist jedoch immer noch beeindruckend und wir erleben in den nächsten Tagen tolle Schnorchelgänge. Das Thema Korallenbleiche war jedoch bei beim abendlichen Glas Wein immer wieder ein Thema und wir wollten mehr erfahren. Im inseleigenen Meeresbiologiezentrum wird für interessierte Gäste «Coral Adoption» angeboten. Korallen werden in Becken «gezüchtet», von den Gästen zu kleinen Riffen zusammengebaut und ins Meer gebracht. Dort wachsen sie hoffentlich zu kleinen Mini-Riffen.

Die südafrikanische Meeresbiologin Fany und der Malediver Haamid freuen sich über unseren Besuch und sind bereits auf unsere Korallenadoption vorbereitet – einzelne Stücke warten bereits in einem Becken auf uns. «Schaut euch die Korallen mal genau an», sagt Fany und zeigt aufs Becken. «Seht ihr den Schleim, den die Korallen absondern? Das zeigt, dass sie gestresst sind. Wir sollten also keine Zeit verlieren». Der Bau unseres Mini-Riffs ist eigentlich ganz simpel: Mit Kabelbindern befestigen wir die Korallenstücke an einem Metallgestell und in einigen Wochen, wenn sie festgewachsen sind, werden Fany und Haamid die Kabelbinder entfernen. So schnell wie möglich – aber halt auch etwas vorsichtig um die Korallen nicht noch mehr zu stressen – machen wir uns an die Arbeit. Während dieser Arbeit erklären uns die beiden Experten einige Eigenschaften über Korallen. Weil sie sich nicht fortbewegen, dachte man früher, sie wären Pflanzen. Korallen gehören aber zu den Nesseltieren. Und zum Glück können sich auf den Resten verbleichter Korallen neue Generationen von Korallenpolypen ansiedeln. Darum können sich Riffe von Korallenbleichen auch erholen.

Ich schaue unser Mini-Riff nachdenklich an und frage mich, ob wir damit wirklich etwas bewirken können. Ich spreche Fany direkt darauf an. «Du hast schon recht, wir können damit nicht die Unterwasserwelt der Malediven retten. Aber wir können damit unsere Gäste auf die Problematik aufmerksam machen und sie lernen mehr über einen besseren Umgang mit den Lebewesen in unseren Meeren» meint sie überzeugt.

Die Aktion dient aber nicht nur dazu, die Gäste zu informieren. Bevor wir unser Riffchen in Richtung Meer tragen, vermessen wir noch jedes einzelne Korallenstück. In ein paar Monaten werden Fany und Haamid wieder messen und so einiges über das Wachstum der Korallen am Riff in Erfahrung bringen. Coral Adoption ist also nicht nur informativer Spass, sondern auch ein Bestandteil der Meeresforschung. Nun bin ich doch etwas überzeugter von dieser Aktion.

Und jetzt sofort ab ins Wasser! Das Metallgestell ist richtig schwer und ich frage mich, wie Haamid damit so locker vor uns her schnorchelt. Beim Korallengarten – gleich bei dem über Wasser gebauten Restaurant «The Feeling Koi» stellt er das Riff an einem schattigen Platz ab, um die sowieso schon gestressten Korallen etwas vor der Sonne zu schützen. Unseres ist das 154ste Riff, dass den Korallengarten ziert und trägt eine entsprechende Nummer. Ich freue mich, als ich sehe, dass bei einigen Gestellen die Korallen deutlich gewachsen sind. Leider hat es auch ein paar Mini-Riffe, bei welchen die Korallen abgestorben sind. Haamid erklärt uns, dass zwischen Februar und Mai 2016 die Wassertemperaturen auf den Malediven ein Niveau erreicht haben, dass grossräumig zum Ausbleichen von Korallen geführt hat und einige neue Korallen diese Temperaturerhöhung nicht überlebt haben. Schade!

Danach packen wir die Chance und schwimmen mit den beiden Experten weiter ans Hausriff und die Lerntour geht weiter:  Fany erklärt uns die Unterschiede der verschiedenen Korallen und weist uns auf kleine, farbige Fleckchen auf verbleichten Korallen hin. Sie freut sich über jeden einzelnen Punkt – denn das heisst, dass es den Korallen besser geht und neue Korallen entstehen. Zurück an Land sind wir schon ein bisschen stolz. Es ist uns schon bewusst, dass wir mit Maledivenferien die Umwelt auch belasten. Trotzdem haben wir viel gelernt und möchten in Zukunft zu der Unterwasserwelt noch mehr Sorge tragen. Alle 6 Monate erhalten wir ein Foto, damit wir sehen können, wie sich unsere Korallen entwickeln. Und trotzdem haben wir uns fest vorgenommen: Während unseren nächsten Malediven-Ferien möchten wir unser Riff unbedingt besuchen und können uns dann hoffentlich persönlich von den Fortschritten überzeugen.

Mehr über die Malediven-Insel Huvafen Fushi erfahren Sie hier.