Begegnungen mit den ganz Grossen der Meere stehen auf der Wunschliste der meisten Taucher ganz weit oben. In den meisten Fällen bedeutet das Strömung, Tiefe, Blauwasser-Abstiege und Fahrten über’s offene Meer – Bedingungen also, für die man schon einige Tauchgänge unter dem Bleigürtel haben sollte. Ein Geheimtipp, der auch blutigen Anfängern und sogar Schnorchlern aufregende hautnahe Begegnungen mit verschiedenen Hai-Arten und Mantas ermöglicht, ist die Insel Yap. Genau genommen ist die Doppeltank-Ausfahrt zu den Plätzen Vertigo und Stammtisch, die regulär vom Tauchresort Manta Ray Bay Resort & Yap Divers angeboten werden, weltweit einmalig.

Paarungstänze am Stammtisch

tau-yap-mantas-1Nur eine halbstündige Fahrt durch die geschützten Mangrovenkanäle trennt die Taucher von der Lagune des Mi’l Channel und der 2011 entdeckten Manta-Putzerstation „Stammtisch“ (der Name versteht sich von selbst…). In exakt 4,7 Meter Tiefe ist der tiefste Punkt eines Geweihkorallenfeldes erreicht an dem sich das ganze Jahr über Teufelsrochen einfinden, die hier noch neugieriger sind als anderswo. Überschwimmen mit Zentimeter-Abstand zur Tauchmaske, sich den Bauch kraulen zu lassen von den Luftblasen, hinterrücks an Taucher anpirschen,  oder einfach nur bewegungslos stehen zu bleiben und die abgetauchten Leute mit Lichtschutzfaktor 100 zu verwöhnen, sind typische Marotten der mikronesischen Mantas.

tau-yap-mantas-2Nach Absprache sind an dem strömungsfreien Platz Grundzeiten von bis zu zwei Stunden möglich. Die Teufelsrochen kommen das ganze Jahr über an diese Stelle um sich von Putzerfischen die Kiemen auf Hochglanz bringen zu lassen: die verlässlichsten Sichtungen zahlreicher Tiere hat man zwischen Anfang November und Mitte Mai, zwischen Dezember und Februar bestehen am „Stammtisch“ durchaus Chancen, die Paarungstänze der Mantas zu beobachten. Natürlich gehören dazu Glück und Timing.

Graue und Schwarzspitzen-Riffhaie in Pose

tau-yap-riffhai-3Gerade einmal zehn Bootsminuten entfernt bietet sich nach der Oberflächenpause der nahe gelegene Hai-Spot „Vertigo“ für einen zweiten Tauchgang an. Oder man führt die Oberflächenpause direkt vor Ort durch und zählt vom Boot aus die Hai-Silhouetten im kristallklaren Wasser vor dem Aussenriff. Es sind nie weniger als zwölf Haie, die über dem Riffdach in acht Meter Tiefe kreisen, und oft genug finden sich im Freiwasser vor der Steilwand mehr als 30 Tiere ein. Da die Riffhaie seit langem an Taucher gewöhnt sind, lassen sie sich auch problemlos aus nächster Nähe filmen und ablichten. Dazu braucht man dank der Sichtweite und Sonnenreflexion auf dem Riff nicht einmal einen Blitz. Von Kopfporträts, Bildern ganzer Hai-Rudel und Modellfotografie bis hin zu Gegenlichtaufnahmen ist während eines Tauchgangs die ganze Palette der kreativen Unterwasserfotografie möglich.

Manta Reisen-Tipp:
Nicht ins Blauwasser schwimmen, sondern einfach auf eine abgestorbene Steinkoralle setzen und ruhig atmen – nach einiger Zeit kommen die Haie bis auf Armlänge heran.

Landesweites Manta-Schutzgebiet

tau-yap-unterwasser-4Für den allgemeinen Grossfisch-Reichtum hat Bill Acker als Inhaber des Manta Ray Bay Resorts eine schlüssige Erklärung parat: „Natürlich waren die Tiere auch schon vorher da und Haie wurden hier noch nie gezielt befischt“, meint der Texaner deutscher Abstammung, „aber vom landesweiten Manta-Schutzgebiet von 2009 profitieren alle Grossfische, weil in deren Kinderstuben in den Mangroven nicht mehr gefischt wird.“ Weil das Riff in einer natürlichen Einbuchtung liegt, sind starke Strömungen die absolute Ausnahme. Der Tiefenbereich zwischen der Oberfläche und 16 Metern erlaubt Grundzeiten von 80 Minuten – selbst wenn davor oder danach ein Besuch bei den Mantas geplant ist.

Das Sahnehäubchen

Bechiyal men's houseAn beiden Plätzen ist man mit grosser Sicherheit unter sich. Yap liegt abseits von Massentourismus, die Tauchgruppen sind klein und als Gast hat man durchaus Mitspracherecht bei Grundzeit und Tauchplatzwahl. Fliessbandbetrieb ist ein Fremdwort und dank dem fest verankerten Restaurant-Segelschoner Mnuw als Dreh- und Angelpunkt finden auch Alleinreisende schnell Anschluss.

So ist man nach drei Stunden Tauchen pünktlich zur Mittagspause wieder im Resort – und im Idealfall ist man nach der „Doppelbedienung“ selig genug um das Tauchboot für den Rest des Tages mit einem sonnigen Plätzchen am Pool mit einem Frischgezapften aus der Hausbrauerei zu tauschen…

tau-yap-ausflug-6Die Wege sind ohnehin kurz: Maximal 30 Meter liegen zwischen jedem der 35 Zimmer und der Tauchbasis, die sich wie das Resort seit mehr als 20 Jahren im Familienbetrieb befindet. Alles aus einer Hand. Taucherherz, was willst du mehr? Vielleicht Albino-Mantis Shrimps, Mandarinfisch-Paarung, schwindelerregende Steilwände und Adlerrochen? Oder soll es nach der marinen Reizüberflutung doch lieber Après-Diving im Spa sein, eine Kayaktour in der Schattenwelt der Mangrovenwälder, oder eine Entdeckungstour über eine Insel, die eigentlich aus drei über Brücken verbundene Inseln besteht und mit einer fremdartig exotischen Kultur glänzt? Nun, die Details würden diesen Newsletter endgültig sprengen, aber dafür gibt es ja schliesslich auch unsere fachkundige Beratung…
(Spezieller Dank an Daniel Brinkmann für die Photos)